Anneli Auer

Episodenbeschreibung

Am Abend des 1. Dezember 2006 ruft eine Frau den Notruf und meldet, dass ihr Ehemann in ihrem Haus in Ulvila, Finnland, erstochen worden sei. Sie berichtet von einem unbekannten Täter, der in das Haus eingedrungen sei, während die Kinder schliefen. Was folgt, ist eine Mordermittlung geprägt von fehlenden technischen Beweisen, wechselnden Verdachtsmomenten und einer Reihe von Gerichtsverfahren ohne Präzedenzfall. Diese Episode beleuchtet den Mord an Jukka Lahti und wie die Ermittlungen gegen Anneli Auer zu einem der umstrittensten Fälle der finnischen Justizgeschichte wurden



Der Fall Ulvila: Der Mord an Jukka Lahti und das Verfahren gegen Anneli Auer

Am Abend des 1. Dezember 2006, um 20:10 Uhr, wird ein Anruf mit dem finnischen Notruf verbunden.
Am Telefon ist eine Frau. Ihre ersten Worte lauten:

"Mein Mann wurde erstochen."

Die Anruferin ist Anneli Auer, 31 Jahre alt.
Sie lebt mit ihrem Partner Jukka Lahti, 43 Jahre alt, und ihren drei kleinen Kindern in einem Einfamilienhaus in Ulvila, einer ruhigen Gemeinde im Westen der Finnland.

Was als Notruf wegen eines häuslichen Gewaltverbrechens beginnt, entwickelt sich zu einem der umstrittensten Strafverfahren in der finnischen Justizgeschichte.

Der Notruf

Während des Gesprächs mit der Notrufzentrale berichtet Anneli Auer, ein unbekannter Mann sei in das Haus eingedrungen und habe ihren Partner im Schlafzimmer angegriffen.
Sie sagt, sie habe sich gefürchtet, die Kinder an sich genommen und sich zurückgezogen.

Sie erklärt, sie habe sich nicht getraut, zu ihrem verletzten Partner zu gehen, da sie befürchtete, der Täter sei noch im Haus.
Der Mann liege im Schlafzimmer, es gebe viel Blut.

Der Notrufmitarbeiter weist sie an, in der Leitung zu bleiben, sich nicht im Haus zu bewegen und auf Polizei und Rettungsdienst zu warten.

Das Gespräch endet, als die Einsatzkräfte eintreffen.

Der Fundort

Die Polizei trifft kurz nach dem Notruf am Haus in Ulvila ein.
Die Beamten betreten das Gebäude und begeben sich direkt ins Schlafzimmer.

Dort liegt Jukka Lahti auf dem Bett.
Er weist schwere Schnittverletzungen im Halsbereich auf.
In und um das Bett befinden sich große Blutmengen.

Die Beamten stellen sofort fest, dass keine Lebenszeichen vorhanden sind.
Kurz darauf bestätigt der Rettungsdienst den Tod.
Es werden keine lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet.

Drei kleine Kinder haben ihren Vater verloren.

Die Spurensicherung

Die kriminaltechnische Untersuchung konzentriert sich nahezu vollständig auf das Schlafzimmer.

Es gibt keine Anzeichen eines Kampfes.
Keine Möbel sind umgestürzt.
Keine Gegenstände beschädigt.

Das Blut ist auf das Bett und den unmittelbaren Bereich begrenzt.
In Flur, Küche, Wohnzimmer oder anderen Räumen werden keine Blutspuren gefunden.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Körper nach der Tat bewegt wurde.

Keine Abwehrverletzungen und keine Tatwaffe

Die rechtsmedizinische Untersuchung zeigt keine Abwehrverletzungen an Händen oder Unterarmen.
Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Jukka Lahti versucht hat, sich zu schützen.

Die Tatwaffe wird nicht gefunden.
Weder ein Messer noch ein anderes scharfes Objekt werden sichergestellt.

Es finden sich keine gesicherten Spuren, die eindeutig auf einen unbekannten Täter hinweisen.
Keine Fingerabdrücke, keine DNA-Spuren führen zu einer externen Person.

Keine Einbruchsspuren

Türen und Fenster sind unbeschädigt.
Es gibt keine Aufbruchspuren.
Keine Hinweise auf gewaltsames Eindringen.

Der Rest des Hauses wirkt ruhig und ungestört.

Todesursache

Die Obduktion ergibt, dass Jukka Lahti an Verbluten infolge scharfer Gewalteinwirkung am Hals starb.

Die Verletzungen beschädigten Blutgefäße und Atemwege.
Der Tod trat rasch ein.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass er nach der Tat längere Zeit lebte.

Die Aussage von Anneli Auer

Anneli Auer wird kurz nach dem Tod ihres Partners vernommen.
Sie erklärt, Geräusche aus dem Schlafzimmer gehört zu haben und dort einen unbekannten Mann gesehen zu haben.

Sie sagt, der Mann habe Jukka Lahti angegriffen.
Aus Angst habe sie die Kinder genommen und sich zurückgezogen.

Sie habe den Mann nicht erkannt und keine Waffe gesehen.
Diese Version hält sie auch in späteren Vernehmungen aufrecht.

Erste Zweifel der Ermittler

Schon früh stellt die Polizei fest, dass mehrere Punkte nicht zusammenpassen:

  • keine Spuren eines unbekannten Täters

  • keine Einbruchsspuren

  • keine Abwehrverletzungen

  • ein auf das Bett begrenzter Tatort

Mit fortschreitender Untersuchung verliert die Theorie eines externen Täters an Plausibilität.

Richtungswechsel der Ermittlungen

Nach kriminalistischer Routine weitet die Polizei die Ermittlungen auf das persönliche Umfeld aus.

Anneli Auer, die einzige erwachsene Person, die sicher zur Tatzeit im Haus war, wird von der Zeugin zur Tatverdächtigen.

Sie bestreitet jede Beteiligung.
Sie gesteht nicht.
Sie bleibt bei der Version eines unbekannten Täters.

Trotz fehlender direkter Beweise beantragt die Staatsanwaltschaft ihre Inhaftierung.

Der erste Prozess und die Verurteilung

Anneli Auer wird wegen Mordes angeklagt.
Die Staatsanwaltschaft argumentiert:

  • es gebe keine Beweise für einen externen Täter

  • der Tatort spreche für einen schnellen Angriff im Bett

  • Anneli Auer habe Gelegenheit gehabt

Das erstinstanzliche Gericht verurteilt sie zu lebenslanger Haft.

Der Freispruch in der Berufung

Das Berufungsgericht prüft den Fall vollständig neu.
Es kommt zu dem Schluss, dass:

  • keine direkten Beweise Anneli Auer mit der Tat verbinden

  • die Anklage auf Annahmen und dem Fehlen von Alternativen basiert

Das Urteil wird aufgehoben.
Anneli Auer wird nach über drei Jahren Haft freigesprochen.

Ein beispielloser Fortgang

Jahre später wird der Fall erneut aufgerollt.
Anneli Auer wird ein weiteres Mal wegen desselben Mordes festgenommen.

Grundlage sind angeblich neue Beweise – hauptsächlich neue rechtsmedizinische Bewertungen, keine neuen Sachbeweise.

Auch im zweiten Verfahren wird Anneli Auer freigesprochen.

Verurteilung wegen Falschaussage

Im Anschluss wird Anneli Auer wegen Falschangaben gegenüber Behörden und Verleumdung angeklagt.
Es geht um ihre Aussagen zu einem unbekannten Täter.

Sie wird zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe verurteilt.
Nicht wegen Mordes.

Weitere Vorwürfe und erneuter Freispruch

2013 wird Anneli Auer zusätzlich sexueller Straftaten gegen ihre Kinder beschuldigt.
2016 spricht das Berufungsgericht sie vollständig frei und stellt schwere Mängel in den Ermittlungen fest.

Ein ungelöster Mord

Der Mord an Jukka Lahti ist bis heute ungeklärt.
Es gibt keinen rechtskräftig verurteilten Täter.
Die Tatwaffe wurde nie gefunden.

Der Fall Ulvila gilt als einer der größten Justizskandale Finnlands.

Drei Kinder verloren ihren Vater.
Und fast zwanzig Jahre später bleibt offen, wer ihn getötet hat.


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PODCAST

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